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Thomas Hauser

Thomas Hauser, am 16. 11. 1969 in München geboren, ist seit 1989 permanent künstlerisch tätig. Nach dem Besuch der Sonderschule in München erfolgte 1987 sein Eintritt in das Arbeitsleben einer Behindertenwerkstätte. Zu malen begann Hauser im Rahmen eines begleitenden Kursangebots an diesem ersten Arbeitsplatz in der Gärtnerei „Hollern“ im Heilpädagogischen Centrum Augustinum (HPCA). Hier wurde sein Talent entdeckt und gefördert, bis er schließlich im September 2000 als hauptberuflicher Künstler ins atelier hpca wechseln konnte.
 
Der von Hausers Bilder ausgehende stark reflexive aber auch dekorative Reiz, war seit 1994 in wohl über siebzig Ausstellungen bundesweit und international zu sehen. Seine Bilder gehören zum Bestand verschiedener großer Privatsammlungen. 2001 wurde Hauser mit einem Behinderten-Kunstpreis der Stadt Radolfzell geehrt, 2005 erhielt er den Kunstpreis des Stadt Schweinfurt. Der engagierte und fleißige Künstler kann bis heute auf ein beeindruckend umfangreiches malerisches Werk von überwiegend Arbeiten in Ölpastell und Tusche auf Papier, aber auch Zeichnungen und vereinzelt Druckgrafik, verweisen.

Hausers Bilder entwickeln sich langsam und mit großer Bedächtigkeit. Sie bestehen im Kern ausschließlich aus der variativen Wiederholung von Rechtecksformen, die ein zuvor ausgegrenztes Bildfeld durchziehen. Diese sich wiederholenden Formelemente treten untereinander und zur Bildfläche in eine vielfältige dynamische Beziehung. Sie scheinen sich zu bewegen: streben auseinander oder ’schwimmen’ aufeinander zu. Sie scheinen aus dem Bildgrund eben erst aufzutauchen oder in seine Tiefe zu entschwinden. Diese Dynamik ist schwer festzumachen und sie fesselt und verzaubert darum den Blick des Betrachters, wenn er sich auf das Vexierspiel einlässt, das sich vor einem meist monochrom changierenden Hintergrund entfaltet.   
Gegenständlich identifizierbare Motive, die noch zu Beginn in Hausers Bilder eingeschrieben waren, sind heute fast völlig daraus verschwunden. In seinem Ausdrucksbemühen verlässt sich der Künstler stattdessen auf die Aussagekraft der abstrakten Linie. Seine fragilen grafischen Strukturen, mit Ölpastell oder Buntstift auf einem weißen Blatt Papier nur flüchtig ’notiert’, werden auch durch die anschließende Hintermalung mit farbiger Tusche  eher gesteigert als zurück genommen.
 
Die variative Wiederholung einer einzigen Grundform in Hausers Gemälden und deren quasi stillstehende Dynamik zielt nicht auf einen gegenständlichen Inhalt. Sie erscheint vielmehr als das gegenständliche Äquivalent eines abstrakten Phänomens: Der Zeit. - Zum einen jene Zeit, jene sichtbare Langsamkeit, in der die Niederschrift der Formen erfolgte, sodann aber auch die Zeit, die das Bild dem Betrachter abnötigt, um sukzessive den Zusammenhang der Bildelemente zu entdecken – mit dem Blick zu erwandern.