Menu

Haci Sami Yaman

Der Künstler Haci Sami Yaman ist blind. Und es gibt keine Betrachter seiner Kunstwerke, der oder die sich nicht fragt, wie das gehen kann. Auf Grund der Qualität seiner Bilder wird die Tatsache seiner Blindheit sogar manchmal direkt angezweifelt. Wie viele Blinde ist er nicht 100%ig schwarzblind, und wie er selbst sagt, hängt es von Tagesform und Konzentrationsfähigkeit ab, was und wie er erkennen kann. Wenn Sami Yaman sich sicher und wohl fühlt, sich nicht mehr erschreckt vor unbekannten Geräuschen, die Räume und Menschen kennt, mit denen er zusammenarbeitet, orientiert er sich erstaunlich schnell in seiner Umgebung.

Haci Sami Yaman hat ein großes Bedürfnis seine Bilder zu erklären, er möchte, dass man seine Bilder „versteht“. Jede Linie, jedes Raster, jede Struktur aus denen er seine Bilder baut, bedeuten etwas. Er spricht von Systemen, Schaltungen, planetarischen Strukturen. Von Komplexen Interaktionen, von Strömen und Elektrifizierung. Seine Bilder sind Vernetzungen, Verpixelungen, Datenverarbeitung. Er beschreibt Level und Ebenen, Programmierungen, Verstärker. Kabbalistische Zahlensysteme sind ihm nicht fremd und in manchen Bildern bildet er Quantensprünge ab. Aber auch seine Schmerzen werden verbildlicht - er erklärt und ebnet Schmerzfrequenzen. Man kann den Eindruck gewinnen, dass er, durch die starke Beeinträchtigung des Sehens, vergisst, dass die Betrachter sehen und sich über das Auge mit dem Verstand verkoppeln und sozusagen sehend verstehen.

Mit welchen Hilfsmitteln auch immer er sich die Farben merkt und zusammenstellt, wie immer er sich auf seinem Format zurechtfindet, durch rhythmisches Klopfen auf dem Papier, oder durch die linke Hand, die stets neben oder über der Rechten tastend beobachtet und abfühlt, das Ergebnis ist lebendig und hat mit Natur und Schöpfung zu tun. Mit abstrakten Formen der Natur, die Zellen, die Vernetzungen und Verknüpfungen, die Systeme aus denen Wachstum kommt.